Die Nase in der Vorstellung des 18. Jahrhunderts

(...) Die Nase und die Schleimhäute stellen einen unmittelbaren Zugang zum Gehirn dar wie kein anderes Organ. "Es gibt kein Organ im menschlichen Körper, das empfindlicher ist als die Nüstern", heißt es in einer englischen Schrift aus dem Jahre 1761 (Cautions against the Immoderate Use of Snuff), "sie sind überzogen von einem Netzwerk feiner Nerven, und diese bieten sich so schutzlos-offen dar, daß man sagen könnte, das Gehirn selber liege hier offen zutage." Die Nase als unmittelbarer Zugang, als eine Art Mund zum Gehirn, das ist eine Vorstellung, die dieses Organ dem Jahrhundert des Rationalismus und der Aufklärung natürlich besonders wahlverwandt erscheinen lassen muß. Nicht als Organ des "niedersten" Sinnes, sondern als Organ der Vernunft schätzt das 18. Jahrhundert die Nase. (...)

ex: W. Schivelbusch, "Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft", in: Rausch und Realität, Bd. 1, Hamburg 1982, S. 400f
 
back