Warum?

(...) Das Auffälligste an den nasengeblasenen Instrumenten sind sicher nicht die Instrumente selbst, sondern die eigenartige Weise ihrer Betätigung. Es wäre verwunderlich, wenn ein so seltsames Phänomen wie das Anblasen von Instrumenten mittels der Nase nicht eine Unzahl von Erklärungsversuchen hervorgerufen hätte. Engel (1870) meinte, daß es aus der religiösen Überzeugung der Inder geboren worden wäre, nach der ein Angehöriger der oberen Kasten nichts mit dem Munde berühren dürfe, was durch den Mund eines Tieferstehenden entweiht worden sei. Andree (1899) lehnt diese Erklärung als "künstlich" ab. Indessen hatte man sich auch um andere, uns heute ebenso spitzfindig erscheinende Erklärungen bemüht. Tylor (1882) hatte beiläufig darauf hingewiesen, daß es für einen Flötenspieler wohl kaum Vorzüge bieten kann, statt des Mundes die Nase zu gebrauchen. Svoboda (1892) dagegen meinte, die Bewohner der Nikobaren müßten die Nase verwenden, da die Eigenart ihres Gebisses sie am Schließen des Mundes verhindere. Auch in Brown (1907) klingt die Sehnsucht nach rationalistischer Deutung noch an. Wenn, sagt er, der Weg der Nasenflöte nicht so deutlich auf Südasien als Ursprungsgebiet wiese, würde er geneigt gewesen sein, es in einem nördlichen Klima zu suchen, wo die Kälte den Mund zu schließen zwänge. Die Verhältnisse schienen so undurchsichtig zu sein, daß Foy (1909) endlich resigniert bemerkte, man werde über die wirkliche Veranlassung zur Ausbildung dieses eigenartigen Anblasens wohl niemals Aufschluß erhalten. (...)

ex: Siegfried Wolf, "Zum Problem der Nasenflöte", Abhandlungen und Berichte aus den staatlichen Museen für Tierkunde und Völkerkunde, Leipzig 1941, S. 3f
 
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